»Ich will frei sein«,
sagte die Marionette
und schnitt die Fäden ab.
Einleitung
Wenn Sucht
die Familie trifft
Sucht betrifft nie nur den Menschen, der konsumiert. Sie greift tief in Beziehungen ein, verändert Rollen, belastet den Alltag und hinterlässt Spuren bei allen, die nahestehen. Angehörige leben oft zwischen Hoffnung und Enttäuschung, zwischen Fürsorge und Erschöpfung. Viele versuchen lange, die Situation allein zu bewältigen – aus Liebe, aus Verantwortung oder aus Angst, etwas falsch zu machen. Diese Seite richtet sich an Menschen, die davon betroffen sind. Sie soll informieren und ermutigen, Hilfsangebote anzunehmen.
Mitbetroffenheit
Wenn Sucht das Leben von Angehörigen mitbestimmt
Sorge
Die Sorge um den suchtkranken Menschen raubt die Kraft, konsequent »Nein« zu sagen.
Gefühle
Die Emotionen der Angehörigen hängen stark vom Suchtmittel-Konsum des Betroffenen ab. Hoher Konsum führt zu Leid und Belastung, geringer Konsum oder Abstinenz lassen Hoffnung aufkeimen und verbessern das Wohlbefinden der Angehörigen.
Vertrauen
Das Vertrauen wird immer wieder aufs Neue enttäuscht und missbraucht. Gegenseitiges Vertrauen wird irgendwann unmöglich.
Scham
Gute Gespräche mit Freunden und Verwandten werden aus Scham gemieden. Angehörige versuchen, alleine klar zu kommen. Dem Umfeld fehlt das Verständnis für die Situation von Angehörigen.
Wahrnehmungen
Die Wahrnehmungen von Angehörigen werden vom suchtkranken Menschen nicht ernstgenommen und in Frage gestellt. Angehörige stellen ihre Wahrnehmungen immer mehr selbst in Frage und suchen schließlich die Schuld bei sich.
Verantwortung
Angehörige wird oft eine Mitverantwortung für die Suchterkrankung zugeschrieben, wodurch die Verunsicherung steigt. Sie übernehmen immer mehr Verantwortung für Aufgaben, die eigentlich beim suchtkranken Menschen liegen.
Gutes Lebensumfeld
Die Sucht hindert Angehörige daran, gut für sich selbst zu sorgen. Die freie Gestaltung ihres Lebens wird erschwert.
Grundsätze
Wich­tige Grund­sätze für Ange­hö­rige von sucht­kran­ken Men­schen
Direkte Betroffenheit
Angehörige sind unmittelbar von der Sucht eines nahe-stehenden Menschen betroffen. Sie erleben die Auswirkungen täglich und sind direkt konfrontiert. Diese Belastung kann zu psychischen Störungen wie Burnout, Depressionen oder psychosomatischen Erkrankungen führen und soziale Kompetenzen beeinträchtigen.
Keine Schuld
Angehörige tragen keine Schuld an der Suchterkrankung. Oft tun sie alles, um dem Betroffenen zu helfen und den Alltag aufrechtzuerhalten. Häufig geschieht dies auf Kosten ihrer Selbstfürsorge, sodass sie eigene Bedürfnisse vernachlässigen.
Individuelle Belastung
Jeder Angehörige reagiert unterschiedlich auf die Belastung durch die Sucht seines nahestehenden Menschen. Daher müssen sie individuell wahrgenommen und unterstützt werden. Ihre spezifischen Bedürfnisse sollten berücksichtigt werden, um passende Hilfsangebote zu schaffen.
Eigenständige Hilfsangebote
Für Angehörige bieten wir unabhängige Hilfsangebote an, die nicht vom Verhalten des suchtkranken Menschen abhängen. Diese Hilfen zielen darauf ab, die Belastungen der Angehörigen zu lindern und ihnen Wege zur Selbstfürsorge zu eröffnen.
Keine Co-Abhängigkeit
Angehörige sind nicht automatisch co-abhängig oder krank. Vielmehr werden sie durch die ständige Belastung und das suchtbelastete Umfeld krank. Ihre Gesundheit leidet unter den steigenden Anforderungen und der ständigen Sorge um den suchtkranken Angehörigen.
Verantwortung
Angehörige sind nicht verantwortlich für die Abstinenz des suchtkranken Menschen. Sie können diesen Prozess unterstützen, aber die Hauptverantwortung für die Genesung liegt bei dem suchterkrankten Individuum selbst.
Fazit
Angehörige von suchtkranken Menschen sind oft schwer belastet und benötigen besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung. ihre Bedürfnisse dürfen nicht vernachlässigt werden. Deshalb bieten wir eigenständige Hilfsangebote, die es Angehörigen ermöglichen, Belastungen durch Sucht Nahestehender besser bewältigen zu können.
das Leitwort KLAR
Der Merksatz KLAR steht für "konsequent, loslassen, abgrenzen & reden" im eigenverantwortlichen Umgang mit suchterkrankten Angehörigen
Das Leit­wort KLAR hilft An­gehö­rigen von sucht­kranken Men­schen: konse­quent, los­lassen, ab­grenzen, reden.
K wie »konsequent«
Ich stehe zu meinem Wort und setze klare Grenzen. Ich setze um, was ich sage. Ich drohe mit nichts, was ich nicht selber aushalten und umsetzen kann.

L wie »loslassen«
Ich übergebe die Verantwortung an die zuständigen Personen. Ich übernehme keine Verantwortung, die nicht meine eigene ist, verleugne nichts und finde keine Ausreden mehr.

A wie »abgrenzen«
Ich lasse die Probleme anderer nicht zu meinen eigenen werden. Ich versuche, mich an Folgendes zu halten: Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

R wie »reden«
Ich suche den offenen Dialog und gehe ehrlich mit meiner Situation um.
Angehörigengruppe Aalen
Kreuz­bund­gruppe
Ange­hörige Aalen
Wenn ein nahestehender Mensch suchtkrank ist, leidet die ganze Familie mit. Sorgen, Enttäuschung, Wut, Schuldgefühle oder Erschöpfung gehören für viele Angehörige zum Alltag. Oft entsteht das Gefühl, mit diesen Belastungen allein zu sein. Die Angehörigengruppe des Kreuzbund in Aalen bietet einen geschützten Raum für Austausch, Verständnis und gegenseitige Unterstützung. Hier begegnen sich Menschen, die ähnliche Erfahrungen machen – offen, respektvoll und vertraulich.
Was uns wichtig ist
Was uns wichtig ist
  • Austausch auf Augenhöhe
  • Jeder darf sprechen – niemand muss. Alles Gesagte bleibt in der Gruppe.
  • Entlastung durch Verstehen
  • Durch das Teilen von Erfahrungen wird deutlich: Ich bin nicht allein.
  • Stärkung der eigenen Persönlichkeit
  • Wir ermutigen Angehörige, ihre eigenen Bedürfnisse wieder wahrzunehmen und gesunde Grenzen zu setzen.
  • Orientierung und Information
  • Wir vermitteln Wissen über Suchterkrankungen und zeigen Wege im Umgang mit schwierigen Situationen auf.
Für wen die Gruppe gedacht ist
Die Gruppe richtet sich an Partnerinnen und Partner, Eltern, erwachsene Kinder, Geschwister und andere nahestehende Personen von suchtkranken Menschen – unabhängig davon, ob die betroffene Person bereits Hilfe in Anspruch nimmt oder nicht.

Als Teil des Kreuzbundes orientieren wir uns an christlichen Werten wie Respekt, Nächstenliebe und gegenseitiger Unterstützung – offen für Menschen aller Konfessionen und Weltanschauungen.
Treffzeiten und Kontakt

Wir treffen uns mittwochs in den geraden Kalenderwochen um 19.00 Uhr. Der genaue Treffpunkt kann telefonisch erfragt werden bei:


  • Renate Lutz, Telefon 07961 9319840
  • Erika Krammerius, Telefon 07361 68709

Wir freuen uns auf Sie.

Kontaktstellen
Wo Angehörige
Hilfe finden
können.
Selbsthilfeverbände, wie z.B.
Kreuzbund e.V.
Bundesgeschäftsstelle
Münsterstraße 25, 59065 Hamm
Telefon 02381 67272-0


Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe Bundesverband e.V.
Selbsthilfeorganisation
Luisenplatz 3, 34119 Kassel
Telefon 0561 780413, Fax 0561 711282


Blaues Kreuz in Deutschland e.V. (BKD)
Bundeszentrale
Schubertstraße 41, 42289 Wuppertal
Telefon 0202 62003-0, Fax 0202 62003-81
www.blaues-kreuz.de


Auf den Seiten der Verbände ist Hilfe zu finden. Die Selbsthilfeverbände bieten vor Ort oft eigene Gruppen für Angehörige an. Diese Gruppen sind auf den jeweiligen Homepages über die Suchfunktionen zu finden.
Suchtberatungsstellen, wie z.B.
- Caritas
- Diakonie


Die Suchtberatungsstellen sind ebenfalls für Angehörige da und nicht nur für suchtkranke Menschen. Sie bieten Unterstützung in Einzelgesprächen an und kennen die Hilfsangebote für Angehörige, wie die Selbsthilfe vor Ort.
Informationsstellen für Selbsthilfe
Angesiedelt bei einzelnen Krankenkassen; Auf deren Internetseiten findet man die Selbsthilfe-Gruppen vor Ort, die sich mit dem Thema Sucht befassen.
Suchtbeauftragte des Landkreises
In Baden-Württemberg gibt es die Sucht-Beauftragten des jeweiligen Kreises. Auch er kennt die Adressen der Selbsthilfegruppen und die Suchtberatungsstellen vor Ort. Er kann die jeweiligen Kontaktdaten weitergeben.
Onlinegruppe Kreuzbund Aalen
Der Kreuzbund bietet eine Onlinegruppe für Angehörige an. Dort findet man erste Hilfe, Unterstützung und kann erfragen, welche Angebote der Kreuzbund vor Ort anbietet oder welche anderen Angebote es in der Umgebung gibt.

Kontakt:
Jeden Mittwoch einer ungeraden Woche um 19 Uhr Online-Gruppentreffen unter https://konferenz.kreuzbund.online/angehoerige-onlinegruppe
Unsere Leitwort-Karten
Das Leitwort KLAR begleitet viele Angehörige im Alltag. Auf Wunsch stellen wir unsere handlichen Merkkarten zur Verfügung.
KLAR im Alltag – zum Mit­nehmen und Weiter­geben
Das Leitwort KLAR begleitet viele Angehörige im Alltag. Auf Wunsch stellen wir unsere handlichen Merkkarten zur Verfügung, die jede der vier Haltungen aufgreifen: konsequent, loslassen, abgrenzen, reden.

Die Kontaktdaten auf den Rückseiten der Karten können für andere Selbsthilfe- und Unterstützungsgruppen individualisiert werden. Sie eignen sich zum Auslegen, Weitergeben oder als kleine Erinnerung für zwischendurch. Gestaltung, Herstellung und Versand übernehmen wir auf Anfrage, Informationen und Preisen hierzu erhalten Sie per unter

© , Renate Lutz
Kreuzbund, Angehörigengruppe Aalen
Telefon 07961 931984-7